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Veröffentlichungen / Presse: DPV
... und es war doch
ein Erfolg
(24.05.2008)
Die Ziele, die sich die
beiden deutschen Paare gesteckt hatten, waren bekannt:
Verteidigung des Titels durch Diemke / Timofeeva und Verbesserung
des Vorjahresergebnisses durch Rohne / Epler. Diese Ziele wurden
nicht erreicht, da gibt es nichts zu beschönigen.
Bei 10-Tänze-Turnieren ist alles ein bisschen anders als sonst:
Es gibt Paare, die in Standard und Latein ungefähr gleich gut
sind, andere wieder haben eine starke Disziplin und eine schwächere.
Da schlägt dann vor dem Turnier und während des Turniers die
Stunde der Rechenkünstler: „Wenn „A“ Standard klar gewinnt
und „B“ den Lateinteil, dann muss „C“ wenigstens ...“.
Es kann auch passieren, dass man in der zweiten Disziplin
rechnerisch deshalb nicht genügend ausgleichen kann, weil sich
hier ein Paar „dazwischenschiebt“.
Bei 10-Tänze-Turnieren der Professionals gibt es noch weitere
auswertungstechnische Besonderheiten, verglichen mit den
Amateuren: Bei den Amateuren werden Runde für Runde beide
Sektionen getanzt. Folglich kommen die Paare jeweils insgesamt über
alle zehn Tänze in die nächste Runde. Wer also z.B. ins
Semifinale gekommen ist, kann in der Schlussabrechnung keinen
schlechteren als den 12. Platz bekommen. Anders nach dem Reglement
des World Dance Council (WDC): Hier handelt es sich praktisch um
zehn einzelne Turniere. Unterschiedliche Paare in
unterschiedlicher Zahl erreichen die jeweils nächsten Runden,
erst ganz zum Schluss werden die zehn erreichten Platzziffern
addiert. Selbst gute Finalplätze in der ersten Disziplin sind
keine Garantie für einen ordentlichen Platz in der
Schlussabrechnung.
Vor dem Hintergrund dieser Gegebenheiten wurden an beiden
Turniertagen die unterschiedlichsten Spekulationen angestellt. Für
die drei ersten Plätze nannte man meist die Medaillengewinner des
Vorjahres, nämlich neben dem deutschen Paar die US-Amerikaner
Gherman Mustuc und Iveta Lukosiute sowie die Russen Alexander
Berezin und Victoria Rudkovskaya. Berezin hat seine Stärken in
Latein, Mustuc in Standard, das deutsche Paar dagegen zeigt über
zehn Tänze wohl die ausgeglichenste gute Leistung.
So war man am Freitag also
gespannt auf den Standardteil. Das Semifinale hat in keinem Tanz
eine klare Spitzengruppe ergeben. Von - aufaddiert - 55 möglichen
Kreuzen hat Mustuc 50 erzielt, dicht gefolgt von Diemke mit 48.
Rohne / Epler fehlten bei einem recht gleichmäßigen Gefälle der
Zahlen in jedem Tanz nur ein oder zwei Kreuze. das hat weh getan.
- Im Finale hat sich wieder einmal bestätigt, dass man den
Einfluss des mathematischen Systems der Ergebnisberechnung nicht
unterschätzen darf: 22 Einsen gingen an Mustuc, 18 an Diemke, 12
an Koukarenko. Dennoch schloss Koukarenko den Standardteil - wegen
der Verteilung der Wertungen im übrigen - mit einem geteilten
zweiten Platz ab. Nun, das würde sich für Diemke reparieren
lassen, war die optimistischere der verschiedenen Auffassungen am
Abend dieses Turniertages. Dagegen war es nicht leicht, für Rohne
/ Epler, die ein sehr gutes Semifinale getanzt hatten, die
passenden Trostworte zu finden.
Sonntag: „Neues Spiel, neues Glück“. Wie würden die beiden
deutschen Paare, für die es in unterschiedlicher Weise nicht
gerade optimal gelaufen war, mit der Situation zurecht kommen? Zunächst:
Beide haben die ersten Runden so getanzt, dass sie klar und
unanfechtbar in allen fünf Tänzen ins Finale gewertet wurden,
Diemke im Semifinalergebnis rechnerisch auf Platz 3, Rohne auf
Platz 4. Dann kam mit dem Finale „die Stunde der Wahrheit“.
Boris Rohne und Madeleine Epler hatten die leichtere Aufgabe. Mit
der Qualifikation für alle fünf Finalrunden stand fest, dass
letztlich insgesamt kein schlechterer Platz als der sechste würde
herauskommen können. Sie gönnten sich den Luxus, die Musik sehr
schön auszutanzen und zeigten in der „Durchgängigkeit“ der Tänze
oftmals Bestleistungen. Ein nach der Addition der Einzeltänze
vierter Platz in Latein und der fünfte in der Gesamtabrechnung
war der verdiente Lohn. Damit konnten die beiden das unerfreuliche
Standardergebnis vom Vortag sicher verschmerzen.
Für Sergej Diemke und
Katerina Timofeeva lag die Sache anders. Noch war es rechnerisch möglich,
den Weltmeistertitel zu retten, aber mit Zahlenkonstellationen,
die niemand im Saal so recht für realistisch hielt: Berezin und
Diemke müssten sich die Einsen teilen, Mustuc dürfte nicht
besser als mit Dreien und Vieren bewertet werden, mit all' dem
zugleich war wohl nicht wirklich zu rechnen. Sehr respektabel war
es, dass Sergej und Katerina gleichwohl versucht haben, das
eigentlich nicht mehr Mögliche doch noch möglich zu machen. Sie
haben im Finale alles gegeben, vielleicht an Körpereinsatz sogar
ein bisschen zu viel. Das Endergebnis war schmerzlich, auf einem
Medaillenrang geblieben zu sein konnte nicht trösten.
Angesichts mehrerer Finalwertungen von 1 bis 6 oder 7 machte natürlich
auch das Wort „politische Wertung“ die Runde. Sicher gibt es
tiefenpsychologische Faktoren, die einen unerwünschten Einfluss
haben können. Aber die Grundregel des Turniertanzsports ist
einfach, das Ziel ist erreichbar: Von elf Wertungsrichtern muss
der, der das Turnier gewinnen will, sechs überzeugen. Gelingt ihm
das, dann kann es ihm gleichgültig sein, wie fachkundig die übrigen
sind und von welchen sachgerechten oder sachwidrigen Überlegungen
sie sich haben leiten lassen.
Trotz allem war das Turnier ein Erfolg für den deutschen
Profitanzsport: Beide deutsche Paare haben am Finale teilgenommen,
die meisten Tanzsportnationen können von solchen Ergebnissen nur
träumen. Ein Erfolg war aber auch die Veranstaltung als solche:
Die ausrichtende Tanzschule Jürgen Tuppeck hatte diese
Weltmeisterschaft auch in den Details hervorragend vorbereitet und
organisiert, die Siegerlandhalle ist für große Tanzturniere sehr
gut geeignet. Ausrichter und Verband haben sich bemüht, den
Tanzsportfreunden aus dem Ausland gute Gastgeber zu sein. Das
Publikum, das seine Gunst nicht nur den deutschen Paaren zuwandte,
sondern sich auch von den Leistungen der übrigen begeistern ließ,
war daran nicht unbeteiligt. Auch diese Dinge zählen, nicht nur
die Ergebnislisten. Und außerdem: „Nach der
Weltmeisterschaft“ heißt zugleich „vor der
Weltmeisterschaft“.
Falko Ritter
Hier das Endrundenergebnisse.
| Name |
Land |
W |
T |
WW |
S |
Q |
CC |
S |
R |
P |
J |
Sum |
Platz |
Gherman Mustuc -
Iveta Lukosìute |
USA |
1 |
1 |
1 |
2 |
1 |
3 |
2 |
2 |
2 |
2 |
17 |
1 |
| Alexander Berezin - Victoria
Rudkovskaya |
Russland |
5 |
2 |
4 |
4 |
3 |
1 |
1 |
1 |
1 |
1 |
23 |
2 |
| Sergej Diemke - Katerina
Timofeeva |
Deutschland |
2 |
3 |
2 |
3 |
4 |
2 |
3 |
3 |
3 |
3 |
28 |
3 |
| Anton Koukarenko - Alena
Koukarenko |
USA |
4 |
4 |
3 |
1 |
2 |
6 |
5 |
6 |
6 |
6 |
43 |
4 |
Boris Rohne -
Madeleine Epler |
Deutschland |
9,5 |
8,5 |
8,5 |
8 |
7,5 |
5 |
4 |
5 |
4 |
5 |
65 |
5 |
| Toshiharu Naritake - Sayuri
Nobemoto |
Japan |
3 |
7 |
6 |
5 |
5 |
7 |
7,5 |
9,5 |
9,5 |
7,5 |
67 |
6 |
Weitere Informationen finden
Sie beim World
Dance Council
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