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Veröffentlichungen / Presse:
Herr Llambi mal
gar nicht böse (07.05.2008)

Joachim
Llambi (rechts), wie man ihn aus der RTL-Show „Let’s dance"
kennt: Während die übrigen Jury-Mitglieder Michael Hull, Ute
Lemper und Markus Schöffl (von links) die Zehn zeigen, zückt der
„böse Herr Llambi" nur die Zwei.
Der aus der RTL-Show „Let’s
dance" bekannte Wertungsrichter im SZ-Interview
Auch wenn er selbst nicht als
Wertungsrichter fungiert, freut
sich Joachim Llambi auf
die Zehn-Tänze-WM am 16./17.
Mai in Siegen. Bis
zu sieben Millionen Fernsehzuschauer verfolgten Woche für Woche,
wenn Joachim Llambi bei "Let’s dance" sein
mitunter vernichtendes Urteil über die prominenten Tanzversuche
in der RTLShow fällte. Seither ist der "böse Herr Llambi",
wie er von Moderator Hape Kerkeling gerne tituliert wurde, der
heimliche Star des professionellen Tanzsports. Im Vorfeld
der Weltmeisterschaft über zehn Tänze, die am 16./17. Mai in der
Siegerlandhalle ausgetragen wird, sprach der Wertungsrichter
mit der SZ über die Nachwirkungen der Show, die Faszination des
Tanzsports und die Chancen des MSV Duisburg,
noch den Klassenerhalt in der Fußball-Bundesliga zu schaffen.
Dabei erwies sich der "böse Herr Llambi" als
ausgesprochen charmanter und aufgeschlossener Gesprächspartner.
Herr
Llambi, Sie sind durch die Sendung "Let’s
dance" beim breiten Publikum bekannter
als die meisten Tänzer. Gibt es da
keinen Neid ?
Joachim
Llambi: "Durch die
Sendung ist das Tanzen insgesamt wieder ein bisschen öffentlicher
geworden. Wenn dabei eine
Person aufgrund ihrer Position etwas mehr in den Mittelpunkt
gerückt wird, glaube ich nicht, dass dies deshalb bei den Tänzern
Neid erzeugt."
Hat sich
der Erfolg der Sendung denn auch
auf den Tanzsport ausgewirkt?
Llambi: "In
Deutschland sicherlich nicht so
stark wie in anderen Ländern, weil
die Tanzschulen hier im internationalen Vergleich
schon immer recht stark präsent
waren. Aber auch in Deutschland hat
die Sendung den Tanzschulen sicherlich neuen
Zulauf gebracht."
Leiden
die klassischen Standard- und Lateintänze
denn nicht unter modernen Tanzformen
wie Hip-Hop oder Videoclip-Dance,
die von den Musiksendern protegiert werden
und vor allem Jugendliche ansprechen?
Llambi: "Als
Konkurrenz sehe ich das nicht
an. Jede Sportart muss sich auch immer wieder
erneuern, um keinen Stillstand zu
haben. Das Angebot ist dadurch auch
in den Tanzsschulen breiter geworden. Diese
neuen Tanzstile sind vielmehr eine
Chance, junge Leute für den Tanzsport zu
begeistern."
Wie ist
der Stellenwert des deutschen Tanzsports
im internationalen Vergleich zu sehen?
Llambi: "Wir
sind in Deutschland verfügt
über eine große Breite, aber in der Spitze
sind hier auch Paare zu finden, die ohne
Weiteres bei den Profis mithalten können.
Bei den Profis ist die Breite zwar naturgemäß
nicht so groß – pro Disziplin sind
es zwischen 15 und 25 Paare – aber wir
haben hier in Deutschland eine sehr starke
Spitze, die international immer um Medaillen
mittanzen kann."
Die
Titelverteidiger bei der WM über zehn
Tänze, Sergej Diemke und Katerina Timofeeva,
starten ja ebenfalls für Deutschland. Was
können die Zuschauer kommende Woche
in der Siegerlandhalle erwarten?
Llambi: "Das
Spannende an den zehn Tänzen
ist, dass man vor dem letzten Tanz noch
nicht weiß, wer gewinnt. Es gibt Standardspezialisten, die
am ersten Tag im Vorderfeld
präsent sind, und Lateinspezialisten, die
das Feld am zweiten Tag von hinten
aufrollen und das Ergebnis wieder komplett
herumwirbeln können. Die Zuschauer erleben
in beiden Bereichen ein hochklassiges
Feld."
Nach
welchen Kriterien beurteilen die Wertungsrichter
die Paare ?
Llambi: "Normalerweise
sind Takt und Technik die
obersten Kriterien, aber bei der
Vielzahl an guten Paaren wird es hier bei
der WM kaum Unterschiede geben. Da geht
es dann mehr um die Präsentation im Vergleich
zu den anderen Paaren."
Ist die
Bewertung dann nicht eine Frage des
Geschmacks ?
Llambi: "In
all’ den Jahren, die ich als Wertungsrichter
tätig bin – und Karl Breuer (Anmerkung:
Präsident des Deutschen Professionals
Tanzsportverbandes) hat mir bestätigt,
dass es auch in den Jahren vorher nicht
anders gewesen ist – ist noch nie das
falsche Paar Weltmeister geworden. Natürlich
gibt es auf den Plätzen dahinter schon
mal Uneinigkeiten zwischen den Wertungsrichtern,
aber in der entscheidenden Frage
herrscht immer Einigkeit."
Haben Sie
bei "Let’s dance" die gleichen strengen
Kriterien zu Grunde gelegt ? Sie galten
aufgrund ihrer niedrigen Noten ja immer
als der "böse Herr Llambi".
Llambi: "Grundsätzlich
habe ich schon die gleichen
Maßstäbe angesetzt. Ich kann aber
dabei immer nur die Leistungen innerhalb eines
Wettbewerbs miteinander vergleichen."
Hatten
Sie keine Befürchtungen, als der große
Buhmann abgestempelt zu werden?
Llambi: "Ich
habe in beiden Staffeln nur eine
kritische E-Mail bekommen, als ich etwas
Negatives über Bauchtanz gesagt habe.
Ansonsten wurden meine Bewertungen nicht
als böse sondern als ehrliche Meinung
empfunden. Ich denke, die Tatsache dass
Hape Kerkeling und ich uns immer gegenseitig
hochgeschaukelt haben, hat
sogar zum Erfolg der Sendung beigetragen.
Bei der
Zehn-Tänze-WM sind Sie diesmal aber
nicht als Wertungsrichter im Einsatz. In
welcher Funktion kommen Sie nach
Siegen?
Llambi: "Ich
bin für den WDR, der ja am Samstagabend
anderthalb Stunden live übertragen
wird, als Co-Moderator im Einsatz.Als Medienbeauftragter des DPV
bin ich in erster Linie fürs
Fernsehen zuständig. Das wird
allerdings kein "closed job" sein,
ich möchte schon, dass das Publikum im
Saal etwas davon mitbekommt. Aber ich
wäre auch nach Siegen gekommen, wenn
ich nicht fürs Fernsehen tätig wäre. Ich
habe an die Siegerlandhalle sehr gute Erinnerungen.
1990 habe ich hier mit meiner damaligen
Frau meinen größten sportlichen Erfolg
errungen, als wir uns bei der Zehn-Tänze-DM
als Dritte für die Europaund Weltmeisterschaft
qualifiziert haben."
Werden
Sie beim Publikumstanz auch selbst
das Tanzbein schwingen?
Llambi: "Wenn
es die Zeit zulässt, werde ich
bestimmt das eine oder andere Tänzchen wagen.
Ich komme leider nur noch viel
zu selten dazu."
Sie
bezeichnen sich selbst als Fußballfan. Wann
waren Sie denn zuletzt im Stadion?
Llambi: "Seit
meiner Kindheit bin ich Fan des
MSV Duisburg, doch leider wohne ich
inzwischen zu weit von meinem Verein entfernt.
Ich zittere aber immer bei Premiere mit
und bin auch zuversichtlich, dass
der MSV den Klassenerhalt noch schafft."
Zur
Person: Joachim Llambi
Joachim
Llambi wurde am 18. Juli 1964 in
Duisburg geboren. Nachdem er sich in
seinen ersten 17 Lebensjahren in diversen Sportarten
probiert hatte (Hockey, Tennis,
Wasserball und Fußball), packte
ihn mit Besuch des ersten Tanzkurses das
Tanzfieber. Nach einigen Jahren
im Amateurlager wurde er 1989 Tanzprofi
und schaffte es in der Sektion zehn
Tänze bis ins Finale der Europa und Weltmeisterschaft.
Nach Beendigung seiner aktiven
Laufbahn wurde Llambi
Wertungsrichter im Profi- und Amateurverband.
Seit 2003 ist er als Präsidialmitglied
des Deutschen Professional Tanzsportverbandes
(DPV) zuständig für den
Bereich Medien. Einem breiten
Publikum wurde er 2006 durch seine
harten Urteile als Wertungsrichter in
der RTL-Show "Let’s dance" bekannt. Seinen
Lebensunterhalt verdient der
gelernte Bankkaufmann jedoch als Geschäftsführer
einer kleinen Börsenmaklerfirma in
Frankfurt.
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